Hotel in der Toskana Villa del Pino San Gimignano

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PINO NEWS Nr. 10

1. DIE TUERME VON SAN GIMIGNANO 7. EIN LUGNEZER IN DER TOSKANA
2. HONI SOIT QUI MAL Y PENSE! 8. KOCHBUCH VILLA DEL PINO
3. DER PALIO 9. WELLNESS
4. ICE CUBES AND CHIANTI 10. AUTOCHTONE UND ANDERE GUTE
TROPFEN
5. ICE CUBES AND CHIANTI
(PART DEUX)
11. DIE EICHENHOLZFRAGE
6. UNITED NATIONS SURVEY 12. LA MILLE MIGLIA A POGGIBONSI
  13. STIVOLL REISEN

AUTOCHTONE UND ANDERE GUTE TROPFEN

Notizen eines Weintrinkers

Kürzlich meinte mein Sohn, wir sollten uns wieder einmal verwöhnen, und wir reservierten einen Tisch in der Antica Trattoria in Colle. Wie meistens entschied ich mich für den Fisch und Dominik für das Fleisch. Also stellte sich wieder einmal die Frage nach dem „richtigen“ Wein zum Essen.

Wenn es irgendwie geht, trinke ich Chianti wenn ich in der Toskana ins Restaurant gehe, zu Hause trinke ich Brunello, entweder meinen eigenen, oder den eines guten Freundes. Im Restaurant ist mir der Brunello zu teuer und einen Chianti fand ich zum Fisch zu herb. Rotwein sollte es aber schon sein. Da sind wir dann doch nicht total borniert und konventionenbesessen. Also machte ich das was ich in der Antica meistens mache: ich bat den Wirt, mir eine zum Essen passende Flasche auszusuchen. Enrico Paradisis Weinkarte unterscheidet sich von seiner Speisenkarte in zweierlei Hinsicht: die Auswahl ist überwältigend und die Preise sind, nicht nur gemessen an Essen und Coperto, schon fast unanständig tief. Ich habe ihn schon oft darauf angesprochen. Und jedes Mal erklärte er mir seine Philosophie, welche, kurz zusammengefasst, so lautet. „Wenn ich einen guten Wein zu einem relativ tiefen Preis anbiete, dann ist die Chance gross, dass ich eine zweite Flasche verkaufe. Und dank meiner Einkaufspolitik und meinem grossen Weinkeller kann ich es mir erlauben, die Weinpreise tiefer anzusetzen als ich nach der so genannten Wirteregel müsste und trotzdem habe ich eine kleine Marge.“ Nun, wie ich Paradisi kenne ist seine Marge trotzdem nicht allzu klein. Auf alle Fälle bin ich eigentlich immer gut gefahren wenn ich ihm die Auswahl überlassen habe. Das sollte auch dieses Mal nicht anders werden. “Ci penso Io, Signor Carlo, non ti preoccupare”, meinte der Wirt.

Und pünktlich mit der Vorspeise brachte Paradisis Tochter eine dunkle Flasche an den Tisch, blutrote Etikette, darauf nichts als eine Krone in Gold und die Bezeichnung CAMELOT. Der erste Schluck war umwerfend, atemberaubend, begeisternd: “das ist ein sehr schöner Wein“, meinte ich zu Dominik. Aber halt: meistens ist es ja bei Designerweinen und bei in der Cantina anstatt im Weinberg gemachten Weinen so, dass der erste Schluck (der Weinjournalisten und -kritikerschluck) dich umhaut, mit zunehmender Dauer aber wird der Wein langweilig und kann nicht mit dem Essen mithalten. Allzu oft musste ich im Laufe eines Essens den Wein zurückgegeben und einen andern bestellen.

Nicht so dieses Mal: der Wein blieb gut, sehr gut, entwickelte sich weiter während des Essens und offenbarte laufend weitere Geschmacksüberraschungen. Seine tolle Frucht war leicht aber vielschichtig und überhaupt nicht marmeladig. Eine Struktur war auszumachen, aber kein Hauch von störendem Holz beeinträchtigte meinen Fisch. Trotzdem war der Wein robust genug um mit Dominiks Rindfleisch mithalten zu können.

Mit dem Secondo kam der Wirt an den Tisch um sein berechtigtes Lob zu kassieren. Und lüftete das Geheimnis: es handelte sich um einen IGT des Hauses Firriato aus Sizilien, 80% Cabernet Sauvignon, 20% Merlot, 9 Monate französische Barrique. Jetzt hätten natürlich alle Alarmglocken läuten müssen: die ganze Weinwelt kennt die seit einem Jahr die Weinpublikationen überschwemmenden ganz- und halbseitigen Inserate mit der leicht bekleideten glutäugigen Sizilianerin, deren grosszügiges Dékolleté nicht nur Studenten begeistert wie die leuchtenden Augen Paradisis unmissverständlich signalisierten. Und dann alle diese Auszeichnungen: Premio eccellenza “Profeti in Patria“, Tre Bicchieri Ribeca 2004, Cantina Italiana dell’anno 2007, etc.

Sollten wir also nun unserem Gaumen und unserer Begeisterung während des Essens vertrauen oder sollten wir jetzt, in Kenntnis was sich hinter der Etikette verbirgt, den zwanghaften Reflex jedes „anständigen“ Weinkritikers nachvollziehen der da heisst: ein „gemachter“ Wein kann doch wohl nur mit dem Prädikat „schade“ und somit „schlecht“ bedacht werden. Wahrscheinlich sogar ein Biber! (obwohl störendes Holz nicht einmal vorhanden war).

Und: sollte ich nun ein schlechtes Gewissen gegenüber meinem Freund Andreas haben? Andreas meint ja, dass ein Sizilianer nur dann gut sein kann, wenn es ein Nero d’Avola ist, ein Südtiroler Wein muss auf alle Fälle ein blutleeres leichtes Zahnspülmittel sein, Holzfässer sind des Teufels und wenn ich einen Cabernet/Merlot-Blend trinken will bin ich gopfertammi verpflichtet, einen Bordeaux zu trinken. Anderswo ist er nicht autochton, klar? Aber Moment mal: der Wein hat uns beiden ausgezeichnet geschmeckt und er hat hervorragend zum Essen gepasst. Und für einen vergleichbaren Wein aus dem Bordeaux (hat es auch auf Paradisis Weinkarte) hätte die Tageslimite meiner Bancomatkarte nicht gereicht.

Gerade noch rechtzeitig kehrte an unserm Tisch die Vernunft wieder ein: wir beendeten ein ausgezeichnetes Essen und genossen jeden Schluck dieses ausgezeichneten Weines bis die Flasche leer war.

1. DIE TUERME VON SAN GIMIGNANO 7. EIN LUGNEZER IN DER TOSKANA
2. HONI SOIT QUI MAL Y PENSE! 8. KOCHBUCH VILLA DEL PINO
3. DER PALIO 9. WELLNESS
4. ICE CUBES AND CHIANTI 10. AUTOCHTONE UND ANDERE GUTE
TROPFEN
5. ICE CUBES AND CHIANTI
(PART DEUX)
11. DIE EICHENHOLZFRAGE
6. UNITED NATIONS SURVEY 12. LA MILLE MIGLIA A POGGIBONSI
  13. STIVOLL REISEN



Villa del Pino
Hotel Villa del Pino
Villa del Pino da Carlo del Pino
di Elser Karl Markus
Loc. Pino 1 - I 53036 Poggibonsi, Siena - Toskana
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