
Hotel in der Toskana Siena San Gimignano
Geschichten
HABENKÖTTER
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| Ein Pippo - und Lele - Krimi |
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„Die Obduktion der Leiche hat ergeben, dass das Opfer an einer Pilzvergiftung gestorben ist“, deklamiert Don Silvio.
„Den Kreis der Verdächtigen haben meine Beamten auf sechs Personen reduzieren können; die Tatsache dass ihr zwei wieder einmal dazugehört, erstaunt einen abgebrühten und so erfahrenen Polizisten wie mich natürlich nicht mehr. Sie täten gut daran, die ermittelnden Behörden tatkräftig zu unterstützen, nur schon, um die immer noch mit einem Rekurs belegte Angelegenheit Erneuerung Detektivlizenz Büro Spadoni/Marlotti endlich von Tisch zu bringen.“ |
Abgebrüht ist gut, denkt Lele Spadoni, abgebrüht ist der doch vor allem beim Ausfüllen seiner Spesenabrechnung.
Und Pippo Marlotti, seinem Partner, wird wieder einmal bewusst, wie geschickt Silvio Brimbolioni, der Vice Questore, sein Pulver trocken hält.
Wie immer bei besonders kniffligen Fällen, wo er und seine Beamten im Dunkeln herumirren und kein Fettnäpfchen auslassen, bedient er sich der Mithilfe des schrägsten Detektivduos von Siena. Im Erfolgs-(also Normal-)fall erfährt davon nachher natürlich niemand. Bei Misserfolg ist Brimbusca so natürlich nie selbst schuld.
Tatsächlich haben Samuele und Filippo, so heissen sie mit bürgerlichem Namen, den braven Beamten Don Silvios sowohl in der Qualität der Denkarbeit als auch in der Aufklärungsquote von Kriminalfällen einiges voraus. Mangels Uebung, sagen Don Silvios Freunde, da ja in Siena bekanntermassen keine Kriminalfälle passieren. Mangels kundiger Anleitung, sagen seine Feinde. Feinde hat Don Silvio viele, sagt man. Freunde hat Don Silvio auch viele, sagt ER. |
| Was war geschehen? |
Habenkötter trieb kieloben im schönsten Swimming Pool der Toscana.
Habenkötter Alfred, 58jährig, Gast aus einem mitteleuropäischen EU-Land, woher spielt eigentlich keine Rolle, hatte vor 2 Tagen im Hotel eingecheckt.
Selbstverständlich stimmen die meisten Vorurteile und Stereotypen betreffend der einzelnen Nationalitäten, aber Habenkötter war mehr als nur ein perfekter Vertreter seiner Rasse. Deshalb verraten wir über seine Herkunft nur, dass sein Heimatland im Westen an Frankreich angrenzt, und mit seiner Südgrenze die Schweiz berührt. Aber aus welchem Land er kommt sagen wir nicht. |
| Habenkötter war schon zu Lebtagen kein erbauender Anblick gewesen, aber jetzt waren nicht nur seine Kiemen geschwollen, auch der Rest seiner Karosserie war noch aufgedunsener als vorher. Habenkötter hatte man schon lebend höchstens als Reklame für Vorher-Nachher-Vergleiche (das Vorher-Modell) brauchen können, aber jetzt riskierte er nur noch, das Wasser des Pools zu verderben. Weshalb ihn Carlo raushievte, - wer weiss, wozu einige Veränderungen am Tatort später noch nützlich sein können – und stürzt in die Küche: „ der aufgedunsene Gast aus Zimmer Istrice ist jetzt wirklich aufgedunsen!“ |
| Die Verdächtigen. |
| Roundup of the usual suspects auf der Hotelterrasse. Don Silvio war in seinem Element. Er spürte geradezu körperlich, dass das Böse, oder vielmehr der oder die Böse, direkt vor Ihm sassen. Vor ihm liegen die Verhörprotokolle der ermittelnden Beamten (dass Brimbusca die Ermittlungen ans Detektivbüro Spadoni/Marlotti ausgesourct hatte wird man in seinem Abschlussbericht natürlich nicht mehr lesen können). |
| Und was für eine Sammlung Verdächtiger: jeder hatte ein Motiv (jedes dieser Motive hätte zwar dem dümmsten Staatsanwalt nicht genügt, aber Don Silvio war zu sehr ereifert, um sich mit solchen Kleinigkeiten aufzuhalten). Und jeder schien sich selbst ein bisschen zu belasten! |
| Also, wo beginnen wir? |
Carlo, der Wirt:
„Na ja, es gibt ja in der Toscana das Sprichwort unter Herbergswirten, wonach der Gast wie ein Fisch ist: er stinkt am dritten Tag. Habenkötters Anreisetag war bereits ein dritter Tag, soviel steht fest. Aber solche Gäste gibt es immer wieder und ich kann ja nicht einfach meine Einnahmequellen vergiften, ich versuche ja schliesslich vom Vermieten meiner Zimmer zu leben.“ (Was Carlo wohlweislich verschwiegen hat, ist die Tatsache, dass Habenkötter seine Zeche bereits gestern abend vor dem Nachtessen beglichen hatte, um heute an seinem Abreisetag zeitig losfahren zu können. Wobei er natürlich eine vertikale, sitzende Position in seinem eigenen Auto geplant hatte, nicht die horizontale im Leichenwagen der Misericordia). |
Marianna, die Wirtin und Köchin:
„Alle Gäste rühmen meine Küche, nur der hatte immer etwas zu meckern!
Ja, alle Gäste haben vom selben Pilzragout gehabt und ich habe nur die eine Pfanne benutzt. Da müssten ja alle Gäste eine Pilzvergiftung haben, wenn ich und meine Kocherei schuld wären, dagegen verwahre ich mich! Aber der Gast war doch selbst Pilzsammler. Wahrscheinlich hat ihm wieder einmal meine Küche nicht genügt und er hat sich vor dem zu Bett gehen noch aus seiner privaten Sammlung nachverpflegt.“ (Selbstverständlich erwähnt auch Marianna nicht, dass Sie Habenkötter auf dessen Wunsch noch eigens einen „Nachschlag“ zubereiten musste. Welchen sie mit besonders viel „Liebe“ zubereitet hatte.) |
Emilia, die Putzfrau:
„Ein unangenehmer Gast, dieses Walross! Immer diese Unordnung im Zimmer und vom Badezimmer sprechen wir lieber gar nicht. Nein, Trinkgeld hat er natürlich nie gegeben, aber dafür regelmässig etwas zu meckern gehabt. Dass er heute abreist ist für mich eine Erleichterung.“
Hierbei wird sie rot und denkt zum Glück gerade noch dran, nur ja nichts zu sagen vom Knollenblätterpilz, mit welchem sie Habenkötters private Pilzsammlung ergänzt hatte. |
Ariane Habenkötter, frisch verwitwet:
„Ja, mein Alfred war schon ein herzensguter Mensch. Und unsere dreizehn Ehejahre waren nichts als ein glückliche Fügung!“ (Für ihren Schönheitschirurgen ebenso wie für die zahlreichen Edelboutiquen auf der Kö, dachte Lele, als er die renovierte Fregatte so anschaute). „Nein, seine Manie, den ganzen Toscanaurlaub mit Pilzsuchen zu verplempern hat mich überhaupt nicht gestört. Alfred war ja so rücksichtsvoll und hat mich auch nicht daran gehindert, den ganzen Urlaub am Swimmingpool auf dem Liegestuhl zu verbringen. Toll, diese Bräune, nicht? Und dass ich ihn nicht daran gehindert habe, vor dem zu Bett gehen noch von seinen selbst gesammelten Pilzen zu naschen, muss ich mir doch nicht vorwerfen, oder Herr Kommissar? Obwohl ich noch gedacht habe, dass da unter seinen gestern gesammelten einige drunter waren, die ein bisschen komisch aussahen.“ Bei diesem Stichwort flossen gekonnt einige Tränen und Ariane Habenkötters Stimme geriet auf wundersame Weise ins Stammeln. |
Samuele Spadoni, gestern abend zusammen mit seinem Partner Filippo Marlotti Gäste zum Abendessen auf Carlos Terrasse:
„Mariannas Pilzragout gestern abend war wieder einmal sensationell. Nein, davon hat der deutsche Gast ganz sicher keine Magenverstimmung davongetragen. Ja, mit seinem impertinenten Gehabe hat er mich ganz schön genervt. Aber mir den Abend versauen? Dazu gehört mehr als einer, der Florenz bedeutend schöner findet als Firenze und laufend damit prahlt, wie er im „Tschianti“ gratis Wein gesoffen hat.“ |
Filippo Marlotti:
„Ja, wenn ich ihm gestern abend wirklich zugehört hätte, dann hätte ich mich tatsächlich aufregen müssen. Entscheiden sie selbst: „Herr Carlo, bringen sie mir einen roten Vino Rosso, dieses Barolo-Brunello-Zeugs kann ich nicht mehr trinken (nach dem ersten Schluck Chianti aus einer Flasche, welche er nach eingehendem Studium seiner mitgebrachten Weinzeitschriften eigens bei Carlo bestellt hatte!)“ |
| Don Silvio faltete die gesammelten Protokolle zusammen und blickte in die Runde. Wo anfangen? Wen in die Zange nehmen? Und wie, die waren ihm doch alle überlegen? Und schliesslich hat der Verstorbene doch wirklich selbst Pilze gesammelt. Und seine Beamten (in Delegation Lele und Pippo, aber das wird in seinem Abschlussbericht natürlich nicht stehen) haben wirklich Fliegenblätterpilze in Habenkötters Zimmer, in dessen eigenem Pilzkorb, sichergestellt. |
| Brimbusca entsinnt sich gerade noch rechtzeitig, wie er als junger Kommissar, als er in Palermo stationiert war, einmal auf Geheiss von oben einen Selbstmord protokolliert hatte, bei dem die Leiche sechzehn Messerstiche im Rücken hatte, und verabschiedet sich mit formvollendeter Grandezza. |
| Pollo al Forno |
Pollo al Forno,
eine Ihrer Hausspezialitäten, servieren Carlo und Marianna auf der Terrasse. Allen Beteiligten ist die Erleichterung über die schnelle und sehr effiziente (und vor allem gerechte) Aufklärungsarbeit Don Silvios spürbar anzumerken. Vor allem aber lassen sie sich das Huhn mit den Rosmarinkartoffeln schmecken und dazu passte auch Carlos 97er Pinello wirklich ganz gut, fand Pippo. |
„Sag mal Carlo, womit hast du denn das Huhn mariniert? fragt Lele.
„Du reibst das Hühnerfleisch mit fein gehackten Peperoncinoschoten ein und bestreichst es dann nacheinander mit Dijonsenf und Honig“, entgegnet der Wirt. „Dann lässt du es 3 Stunden ruhen. Dann brätst du es scharf an und löscht es mit einem alten Marsala ab. Darauf schiebst du es, in einer grossen Tonform, zusammen mit den Kartoffelwürfeln, den Rosmarinzweigen und reichlich von meiner Spezialbouillon in den Ofen, wo du es während vier Stunden bei sehr niedriger Temperatur garst. Gut, gell?“ |
| Lele, der nur glücklich nicken kann, lehnt sich zurück und zündet genüsslich eine Chamorro Presidente aus Carlos Privathumidor an. Beim Zurücklehnen wird er Zeuge des folgenden Handygesprächs, welches die Witwe Ariana Habenkötter am Nachbartisch führt: „Hallo Schatz! Alles rund gelaufen! Habe soeben mein drittes Glas Prosecco zur Feier des Tages bestellt. Und der dicke dumme Polizist hat doch tatsächlich wie geplant auf Selbstmord erkannt. Und ich kann sicher bald an Alfreds Millionen ran. Die langwierige Scheidung mit diesem aufgeblasenen alten Affen haben wir uns erspart, ich freue mich, dich bald in meine Arme schliessen zu können, Bussi!“ |
| Ob Lele Gewissensbisse kriegt? Dem beugen wir vor, denkt Carlo, der ebenfalls unfreiwillig Zeuge des Telefonsgesprächs geworden ist und bringt drei Glas eines vierzigjährigen Aberlour an den Tisch seiner Freunde und zieht sich ebenfalls einen Stuhl hinzu. |
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Villa del Pino da Carlo del Pino
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