Hotel in der Toskana Villa del Pino San Gimignano

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Pino News

1. DIE TUERME VON SAN GIMIGNANO 7. EIN LUGNEZER IN DER TOSKANA
2. HONI SOIT QUI MAL Y PENSE! 8. KOCHBUCH VILLA DEL PINO
3. DER PALIO 9. WELLNESS
4. ICE CUBES AND CHIANTI 10. AUTOCHTONE UND ANDERE GUTE
TROPFEN
5. ICE CUBES AND CHIANTI
(PART DEUX)
11. DIE EICHENHOLZFRAGE
6. UNITED NATIONS SURVEY 12. LA MILLE MIGLIA A POGGIBONSI
  13. STIVOLL REISEN



IL PALIO
DER PALIO

A fare festa della vittoria avuta,
Facendo in dispregio de'fiorentini
battere monete,
correre palii a cavagli,
a uomini e a meretrici.
Um den erlangten Sieg zu feiern
Und, den Florentinern zum Spott,
Münzen zu prägen,
Wettkämpfe Für Pferde,
Männer und Marketenderinnen abzuhalten.

Niccolo Machiavelli

Mit der heutigen Ausgabe der Pino News beginnt eine lose Folge von Beiträgen, die sich mit dem Palio befassen. Die erste Folge handelt von den Contraden, den Stadtteilen Sienas, die sich um den Sieg im zweimal jährlich stattfindenden Palio-Rennen streiten, und die für die Senesen ihre eigentliche Heimat bedeuten:

"In modern Siena the patria is no longer
the city but the Contrada"
"Im Siena von heute
ist nicht die Stadt das Vaterland,
sondern die Contrada"

William Heywood, The Palio of Siena

Aufmerksame Leser der Homepage der Villa del Pino werden gemerkt haben, dass in der Villa del Pino die Gästezimmer nicht numeriert sind wie in einem normalen Hotel, sondern die Namen von Siena's Contraden tragen.

Palio di Siena: statistiche, curiosità e notizie
www.ilpalio.org


DIE CONTRADEN


Oft stellt der befreundete Tourist dem Senesen die Frage, ob die Contraden oder der Palio frueher entstanden sind, da es scheint, dass letzterer eine Konsequenz und vielleicht die einzige Aktivität der ersten ist. Nichts könnte falscher sein als dies, da der Palio schon vor den Contraden im heutigen Sinn bestand. Man spricht schon im elften Jahrhundert von Palio "alla lunga" (Palio von einem zum andern Punkt der Stadt), während die Contrada in ihrer besonderen Art, und mit der Absicht, sich zu vergnügen, nur in den senesischen Festen ab der Renaissance auftritt. Im dreizehnten Jahrhundert existierten verschiedene Zonen der Stadt, die bestimmte Aufgaben Übernahmen, die von der Stadpolizei mit einer relativen Autonomie der Verwaltung, bis zu Ansammlungen gingen, um die Stadt zu verteidigen. Jene Stadtteile riefen die drei Bezirke, die sogenannten "Terzieri" ins Leben: Terzo di Citta, Terzo di S. Martino und Terzo di Camollia. Wahrscheinlich beruht diese Aufteilung auf der Tatsache, dass Siena auf drei Hügeln erbaut ist. Dreiteilungen, nicht nur von Raum, sondern auch Zeit, waren ja eine typische mittelalterliche Vorliebe.Von den Contraden, oder besser gesagt Stadtviertel, gab es damals um die achtzig. Nach den verheerenden Folgen der schwarzen Pest im Jahre 1348 verschwanden einige dieser Contraden, andere schlossen sich angrenzenden Contraden an, und so verringerte sich die Zahl auf 42, wie ein Dokument des Jahres 1723 besagt. Durch die Jahrhunderte beschränkten sich die Contraden auf 17, mit Sicherheit seit 1729, die Zahl, die heute noch aktuell ist. In jenem Jahr erliess Prinzessin Violante von Bayern ein Dekret, das die Grenzen der siebzehn Stadtteile aufs genauste festlegte. Sie blieben bis heute unangetastet.

Der Palio ist bestimmt eine der Hauptaktivitaeten der Contraden, aber zu ihren andern engagierten Tätigkeiten gehören auch Kulturinitiativen, Unterhaltungen und Zusammenkünfte ihrer Mitglieder, welche sich als "popolo" (Volk) identifizieren, mit ihren eigenen Symbolen, Gesetzen und Gebieten. Jede Contrada ist ein eigentlicher Stadtstaat und besitzt eine eigene Flagge, einen eigenen Regierungssitz, eigene Statuten und festgelegte Gebietsgrenzen, ein eigenes Museum, eine Hymne, ein Motto, einen Schutzpatron, usw.. Die Bevölkerung der Contrada ist der wichtigste Teilnehmer des Palio: Der Palio ist der Schauplatz, auf dem jeder Stadtteil seine Identität darstellt. Jeder Contradaiolo kommt "in einer Contrada zur Welt". Eine bekannte Anekdote erzählt von einem Mann, der seine schwangere Frau unter allen Umständen in seinen eigenen Stadtteil bringen wollte, damit das Neugeborene zur selben Contrada gehören möge wie sein Vater. Es kommt auch häufig vor, dass Senesen, die in andere italienische Städte übersiedeln mussten, zur Geburt eines Kindes nach Siena zurückkehren, damit dieses nicht seine Zugehörigkeit zur Contrada verliert. So ist es denn auch ein Unterschied, ob ein Contradaiolo voller Stolz behauptet "sono della Tartuca" oder, mit noch grösserem Stolz: "sono dalla Tartuca" ("della" = italienisch Mitgliedschaft, "dalla" = (Geburts-)Herkunft). Verbürgt ist auch, dass während einer Geburt eines Nachkömmlings einer Contradafamilie, die ausserhalb Siena stattfindet, von befreundeten Contradafrauen ein Topf voll Contradaerde gebracht wird, der unter das Bett der gebärenden Frau gestellt wird, dass das Neugeborene trotzdem auf Heimaterde zur Welt kommt. Mit dem Aufkommen der Klinikgeburt soll dieser Brauch auch in Siena selbst Einzug gehalten haben, liegt doch das städtische Krankenhaus im Selva-Gebiet. Somit würden alle Neugeborenen nach altem Recht Contrada-Mitglieder der Selva, was natürlich nur für diese annehmbar wäre!

Jede Contrada besitzt einen Namen, der auf einem bildlichen Symbol oder einer Symbolgruppe beruht. Meist handelt es sich dabei um Tiere, teils wirkliche, teils Fabelwesen wie Einhorn und Drache. Sie besitzt auch ihre eigenen Farben und ihr Wappen. Man kann die Bedeutung der Contrada für diejenigen, die ihr angehören , nicht hoch genug einschätzen. Die Bürger sind stolz auf ihre Zugehörigkeit zu einem Stadtteil. Zwischen Bürger und Stadtteil existiert eine Beziehung von nahezu magischer Kraft. Die Stadtteilbewohner, (Contradaioli), sprechen von sich selbst in Bildbegriffen: sie nenn sich "aquilini" (wörtlich "Adlerer") oder "brucaioli" ("Raupener") usw..

Oft ist die Contrada Mittelpunkt des gesellschaftliche Lebens der Stadtteilbewohner. Immer wird das gegenseitige Solidaritätsgefühl zwischen den Contradaioli betont, Standes- oder andere Unterschiede gibt es nicht. Natürlich geschieht dies auf italienische Weise: die Klassenlosigkeit wird betont und der Arbeiter ist stolz darauf, dass er ohne weiteres den Adligen duzen darf und umgekehrt. Gleichzeitig rühmt man aber einen Grafen oder andern Adligen als Beschützer oder gewählten Würdenträger der Contrada. Ausserdem werden, wenn eine Liste der Honoratioren der Contrada veröffentlicht wird, ausnahmslos neben den einzelnen Namen auch alle Titel mit aufgeführt. Ein anderes Anzeichen für das ausgeprägte Interesse vieler Senesen am Adel ist der Stolz, wenn sie zu einer Contrada gehören, die das Privileg besitzt, sich adlig (nobil) zu nennen. Auch wenn die Adelskrone auf fast allen Stadtteilwappen erscheint, so führen offiziell nur wenige Stadtteile einen echten Adelstitel, nämlich Adler, Muschel und Gans.. Diese Adelstitel wurden gewöhnlich von einem in Siena weilenden König verliehen, so Karl V. 1356 der Aquila. Andern Stadtteilen ist es gelungen, gleichwertige Titel zu erlangen, so führt beispielsweise die Giraffe einen "Reichstitel", weil sie 1936 den Palio gewann, der dem Reich faschistischer Zeitrechnung gewidmet war. Die Welle zeichnet sich durch den Titel Contrada Capitana aus, weil ihren Männern die Wache im Palazzo del Kommune anvertraut war. Der Grund für eine so grosse Vielfalt bei den Ehrentiteln liegt selbstverständlich darin, dass damit die Einzigartigkeit der Contrada bekräftigt wird. Ein jeder Stadtteil behauptet strikt und schlicht von sich selbst, er habe eine eigene, besondere Persönlichkeit, die ihn von allen andern unterscheidet. Für Aussenstehende oft für Lappalien gehaltene andere stadtteilsübliche Identifikationsmerkmale, wie z.B. der Fontebranda-Brunnen für die Oca, oder eine im Quartier liegende Strasse äussern sich nicht zuletzt in den Contrada-Gesängen.

Jeder Stadtteil wählt für den Palio einen Hauptmann, der einzig und allein dafür verantwortlich ist, der jeweiligen Contrada zum Sieg zu verhelfen. Der Hauptmann wird von zwei Leutnants unterstützt, mangini.. Zwar werden der Hauptmann und seine mangini besonders zum Zeitpunkt des Palio aktiv, doch sie bleiben das ganze Jahr über im Amt. Dies ist nicht unwesentlich im Hinblick auf den bekannten Ausspruch, dass "der Palio das ganze Jahr über stattfindet". Entscheidend ist, dass der Palio Ausdruck der Contrada ist; da aber die Contrada alle Belange des täglichen Lebens in Siena durchdringt, besitzt auch der Palio das ganze Jahr über eine gewisse Bedeutung, nicht nur an den wichtigen Renntagen.

Welches Gewicht dem Stadtteil im Leben eines jeden Bürgers zukommt, lässt sich nicht ohne weiteres ausdrücken. Für einen Senesen fallen die wichtigsten rites de passage unter die Rechtsprechung der Contrada: von der Geburt bis zum Tode, von der Wiege bis zum Grab ist der Stadtteil aktiv gegenwärtig bei jeder entscheidenden Lebenswende.
Geburt war ursprünglich das einzige Kriterium der Zugehörigkeit. Die Contrada nimmt offiziell die Geburt eines neuen, ihr zugehörigen Bürgers zur Kenntnis, indem sie eine Fahne ins Haus des Neugeborenen schickt, die aus dem Fenster gehängt wird. An der Fahne wird ein hellblaues Band befestigt, wenn es ein Junge ist, ein rosa Band, wenn es sich um ein Mädchen handelt.

Heute kann das Bürgerrecht auf verschiedene Weise erworben werden. Das Geburtsrecht hat natürlich weiterhin Gültigkeit. Es gibt ausserdem die Möglichkeit der Taufe in jedem Stadtteil. Dieses Recht kann heute auf verschiedene Arten erworben werden. Die Stadtteiltaufe stellt einen der Höhepunkte eines Patronatsfestes dar. Der Prior verliest einen feststehenden Text etwa folgender Art:
"Kraft der mir vom Volke der Aquila verliehenen Macht taufe ich dich hiermit zum Aquilaner auf Lebenszeit. Mit diesem Wasser übertrage ich auf dich den Glauben und die Kraft deiner Vorfahren, damit du in deinen Kindern den Rum der Aquila weiterhin mehren moegest."
Dem Kind wird das offizielle Halstuch der Contrada geschenkt und eine Urkunde überreicht, die seine formelle Einschreibung auf Lebenszeit besiegelt. Manche Stadtbürger legen ihre historische Tracht an, insbesondere ein paar Trommler und der Oberpage (paggio maggiore). Dieser trägt die grosse Stadtteilfahne (bandierone) und ist offizieller Vertreter der Contrada wenn eine Taufe, eine Kommunion, eine Vermählung, eine silberne oder goldenen Hochzeit oder ein Begräbnis stattfindet.
Stammen an einer Hochzeit Braut und Bräutigam aus demselben Stadtteil, so überreicht er ihr einen Strauss in den Farben der Contrada.
Bei Begräbnissen trägt der Oberpage die Grosse Fahne, die nun mit einem schwarzen Trauerflor geschmückt ist.

Die Liebe zur eigenen Contrada kann an Intensität nur durch den Hass gegenüber dem Stadtteilfeind übertroffen werden. Will man den Palio begreifen, so ist die Kenntnis der komplizierten Bündnis- und Feindschaftsverflechtung zwischen den siebzehn Stadtteilen absolut entscheidend. Der Palio ist das gefühlsmässige Ventil für das Geflecht aller Hass- und Liebesbeziehungen zwischen den Stadtteilen.
Vergessen wir nicht, dass sich jede Contrada als kleine Republik oder Staat begreift und dass sie wie ein regelrechter Staat zu den Nachbarcontraden diplomatische Beziehungen unterhält, mit ihnen Verträge abschliesst usw.. Viele Contraden haben auch Partnerschaften mit andern italienischen Städten, was den Eindruck verstärkt, als ob sie in der Tat von der Stadt Siena unabhängige politische Einheiten darstellten:

Chiocciola mit Venedig
Oca mit Triest
Pantera mit Lucca
Tartuca mit Trient
Giraffa mit Grossetto
Lupa mit Rom
Istrice mit Perugia
Selva mit Cuneo
Aquila mit L'Aquila


Vier Beziehungstypen sind möglich: Bündnis, Freundschaft, Gleichgültigkeit und Feindschaft. Nur Feindschaften sind für gewoehnlich konstant. Verrat gehört zu den Spielregeln. Es hat den Anschein, als ob traditionelle Rivalitäten die Verhaltensweisen in Siena in einem Ausmass beeinflussen, das kaum Grenzen kennt. Alt und Jung sind in einem leidenschaftlichen Hass gegenüber eine befeindeten Contrada befangen. Auch nach dem Tod bleibt ein Feind ein Feind.

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Diese Ausführungen hatten das Ziel, begreifbar zu machen, warum in Siena die Contrada Vaterland ist. Eine bedeutende Hilfe bei meinen Recherchen war mir das Buch "La Terra in Piazza" von Dundes/Falassi. Viele Anekdoten und Informationen beruhen auf Erzählungen. Allerdings wird es der Fremde immer schwierig finden, vom Senesen überhaupt Auskünfte zum Palio und insbesondere zu den Contraden zu erhalten, "versteht er doch als straniero eh nicht, wie das ganze komplizierte Wesen funktioniert".
Dies ist teils nachzuvollziehen, reduzieren doch die grossen Massen und leider auch manche Führer den Palio einfach auf ein Pferderennen, das zweimal im Jahr dreimal um den Campo führt und etwas mehr als eine Minute dauert.
In folgenden Ausgaben der Pino News sollen die einzelnen Contraden detailliert vorgestellt werden. Rechtzeitig auf den ersten Palio am 2. Juli soll auch über ihn berichtet werden.


1. DIE TUERME VON SAN GIMIGNANO 7. EIN LUGNEZER IN DER TOSKANA
2. HONI SOIT QUI MAL Y PENSE! 8. KOCHBUCH VILLA DEL PINO
3. DER PALIO 9. WELLNESS
4. ICE CUBES AND CHIANTI 10. AUTOCHTONE UND ANDERE GUTE
TROPFEN
5. ICE CUBES AND CHIANTI
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  13. STIVOLL REISEN




Villa del Pino
Hotel Villa del Pino
Villa del Pino da Carlo del Pino
di Elser Karl Markus
Loc. Pino 1 - I 53036 Poggibonsi, Siena - Toskana
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