
Hotel in der Toskana Siena San Gimignano
Geschichten
BIBERMORD
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Zuviel Holz vergrämt den Weinliebhaber mindestens ebenso wie zuviel Wein einen Biber besoffen machen würde.
(Altes Toskanisches Sprichwort aus Lamporecchio) |
| Ein Pippo - und Lele - Krimi |
Herzlichen Dank an Al Cook für „way back then“.
Und ebenso herzlichen Dank an Wolf Haas für
“Du musst jetzt nämlich wissen…“ |
Kapitel 1: Corso di Formazione
Kapitel 2: Eine schöne Leiche
Kapitel 3: So funktionieren Gambero Rosso und Parker
Kapitel 4: Way back then
Kapitel 5: „Jetzt musst du nämlich wissen...“
Kapitel 6: Don Silvio hat wieder einmal seinen Mörder
Kapitel 7: Abspann, oder das letzte Wort unserer Protagonisten
Epilog |
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| Lieber Leser: wie immer ist unsere Geschichte frei erfunden. Diese Einleitung haben Sie sicher schon oft gelesen, aber so abgedroschen ist sie nun auch wieder nicht, denn auch wenn sich Ähnlichkeiten mit tatsächlich lebenden Figuren, Personen, Charakteren oder Individuen nicht immer vermeiden ließen, so möchten wir doch ausdrücklich betonen, dass wir uns alles und alle aus den Fingern gesogen haben. Und, ganz ehrlich: eine so hanebüchene Geschichte hätte das Leben selbst nie erfunden, oder? |
| Kapitel 1: Corso di Formazione |
Du fragst dich jetzt natürlich was der Lele und der Pippo an einem lauschigen Septembermorgen in den Rolling Hills des Chianti Classico herumzustiefeln haben. Jetzt musst du eines wissen: nicht dass die zwei nichts Gescheiteres zu tun gehabt hätten an einem warmen Septembertag mitten in der Weinlese, aber Brimbusca hat halt ausrichten lassen, dass die „freiwillige“ Teilnahme an einem Tag Polizeischule „Ausbildung praxisnah im Felde“ direkt einen Einfluss hätte auf die Verlängerung der Privatdetektivlizenzen, eine Pendenz, welche Don Silvio bereits seit 8 Monaten vor sich herschob.
Und so sind halt Spadoni, Samuele, und sein Kompagnon Marlotti, Filippo, Privatdetektive, Siena, zusammen mit 2 Dutzend Kriminalbeamten der Questura von Siena sowie der Elite der ländlichen Carabiniere-Kommandos einen Vormittag durch Rebberge gestiefelt, haben Weinbauern bei der Lese gestört, haben die ländliche Bevölkerung durch Umfragen von der Arbeit abgehalten und haben den Arbeitsverkehr auf der Chiantigiana durch 2 Verkehrskontrollen behindert.
„Auf den Standort der Kontrolle kommt es an“, hatte Silvio Brimbolioni, der Vice Questore und Einsatzleiter deklamiert, „sehen sie meine Herren, man sieht die Kontrolle wirklich erst wenn man um die Ecke biegt und kann sich so nicht vorher in die Büsche schlagen oder noch rechtzeitig wenden und somit die geschmuggelte Damigiane voll Wein auf dem Beifahrersitz unseren wachen Augen entziehen“.
„Und diese geniale Standortwahl ist wahrscheinlich gar nicht verantwortlich für 8 Auffahrunfälle in weniger als einer Stunde, man sieht den mitten in die Strasse gestellten Landrover wirklich erst wenn es kracht“ denkt Brigadiere Tamburello halblaut nach, leider nicht leise genug, Don Silvio hört und sieht alles was er nicht hören soll. Dass er dafür nichts von dem mitkriegt was er mitkriegen sollte ist auch wieder nur so ein blödes Gerücht.
Doch im Moment ist Mittagspause und keiner der tapferen Truppe richtet Schaden an. Man sitzt im Ristorante Pestello mitten in der Gemeinde Castellina und hat andere Sorgen als Formulare und Hierarchien. Du musst nämlich eines wissen, der wahre Grund warum solche Feldseminare überhaupt veranstaltet werden ist ja der, dass Don Silvio wieder einmal auf Spesen so richtig ländlich und sittlich essen kann.
Und das mit einem Riesensteinpilz überbackene Rindsfilet war ja wirklich butterzart, da gibt es gar nichts zu lästern. Und der 2002er Casa Emma passte sehr gut dazu, einer der wenigen gelungenen 2002er im Chianti. „Intensive Noten von Beerenmarmelade, tief und sehr einladend, Süße, rote Frucht, Holunder, gutes Tannin, saftig, lang“, zitierte Pippo. Lele mochte das gerne glauben und sog genüsslich an seiner Partagas. |
| Kapitel 2: Eine schöne Leiche |
„Jetzt hat die Realität den Sandkastentheoretiker eingeholt“, spöttelt Lele, genüsslich einen Vecchio Brandy di Brunello schlürfend und immer noch an seiner Partagas D4 paffend. „Der Albtraum jedes Seminarleiters“, sekundiert Pippo, „jetzt sollen plötzlich die theoretisch vermittelten Kenntnisse am caso reale getestet werden!“
Was war geschehen?
Brigadiere Tamburello, Alberto, 28-jährig, aus Montelusa, Sizilien, stationiert auf dem Polizeiposten Casole d’Elsa, von Don Silvio während des Mittagessens mit der Bewachung des Wagenparks der treuen Gesetzeshüter beauftragt gewesen (nein, nachtragend ist nicht eine der Eigenschaften welche Brimbuscas Freunde - Feinde hat er ja keine - an ihm vermissen), stürmt in die Osteria. Sorgfältig hat er gewartet bis der Vice Questore seinen Dolce vor sich hatte. „In den Rebgärten von Gajagrappoli ist eine Leiche gefunden worden“, meldet er mit sonorer Stimme (siehe „Die menschliche Stimme als Organ und Handwerkszeug des tapferen Carabiniere, Grundkurs, Lektion 4).
Tamburello hatte richtig spekuliert: Don Silvio fährt auf, lässt alles, auch den mit Honig überbackenen Pfirsich, stehen und liegen und schon werden die ersten Befehle durch das Lokal gebrüllt: „Rebberg weiträumig absperren, sämtliche Angestellten und auf dem Gut befindlichen Personen festhalten, Personalien aufnehmen, jedermann steht während des gesamten Nachmittages für meine Befragungen zur Verfügung, meine beiden Stellvertreter in 10 Minuten zur Lagebesprechung bei meinem Einsatzfahrzeug!“
„Das ist wohl das gleiche Auto, welches heute morgen noch sein privater PW gewesen ist“, sinniert Pippo
.„Und Sie, meine Herren, halten sich ab sofort zu meiner Verfügung“, schnauzt er unsere beiden Helden an, „mal sehen, was sie profitieren können“.
„Oder du von uns“, verständigen sich Lele und Pippo wortlos und trinken ihren Ristretto aus.
„Was wissen wir bereits, haben wir bereits Angaben zum Toten?“ wollte der Einsatzleiter wissen.
„Ja, es handelt sich scheinbar um den schönen Baffi“ beeilte sich Tamburello zu vermelden, seinen Wissensvorsprung genüsslich auskostend. „Die Contessa di Gajagrappoli sei untröstlich, dass die Erntehelfer ausgerechnet diesen tüchtigen Journalisten ausgerechnet unter ihren Gemächern in den Rebbergen ihres Mannes gefunden haben.“
„Baffi?, schön?“, wunderte sich Lele.
„Der Humor der Toskaner, weißt du“, half ihm Pippo. Auch er hatte den Toten, dessen Kennzeichen babyglatte Haut auf Schädel und Oberlippe waren, natürlich gekannt. |
| Kapitel 3: So funktionieren Gambero Rosso und Parker |
Das Gut Gajagrappoli war ein Musterbetrieb. Mit dem Rechenschieber gezogene Rebgärten, die Abstände zwischen den einzelnen Rebzeilen exakt so wie von den Flying Oenologists vorgeschrieben, in der Toskana nicht heimische Steinsorten liebevoll um die Rebstöcke gelegt, um die Sonnenwärme zu speichern und dann durch die ganze Nacht hindurch den Reben wieder von unten zuzuführen.
„Sind das nicht Merlot-Reben“, erkundigte sich Pippo vorsichtig beim Sohn des Conte, welcher die ermittelnden Beamten durch den Weinberg begleitete. „Nun ja, entgegnete dieser, „mein Vater macht da einen Versuch mit einem neuen Supertuscan“, mit einem Stirnrunzeln welches nichts mit der störenden Leiche mitten im Rebberg zu tun hatte, wie Lele fand. „Interessant natürlich schon, dass auf der Etiquette dann „100% Sangiovese“ steht, lästerte Pippo. „Wie gesagt, ein Versuch meines Vaters“, beeilte sich der Figlio anzumerken. „Und das auf einem geschätzten Drittel des Weinbergs“, wunderte sich Pippo.
„Woher sonst kommen wohl die regelmäßigen drei Bicchieri im Gambero Rosso“ half Lele dem Juniorchef aus der Patsche. „Und im Keller habt ihr dann modernste Maschinen, Vakuumverdampfer, ein kleines Labor, Geräte zur Umkehrosmose und was der Parker alles vorschreibt?“ „Ja, der Herr Parker hat uns das alles quasi ans Herz gelegt, bevor er einen stattlichen Betrag in unser Gut investierte. Aber dafür sind seine Weinnotizen und Bewertungen jedes Jahr regelmäßig Spitze. Wenn man wie wir mehr als die Hälfte der Produktion in die USA und den Fernen Osten exportiert, geht das gar nicht mehr anders“, verteidigte sich Gajagrappoli, nicht ganz glücklich mit sich selbst und der Situation, wie Pippo fand.
Und die regelmäßigen 3 Bicchieri im Gambero Rosso gehen dann Hand in Hand mit Parkers Verkostungsnotizen, wie unsere beiden Freunde wussten.
Mitten in der nächsten Rebzeile lag der Biber. Alfredo Febbraio, Chefredaktor der Weinzeitschrift Wahrum, einer der wenigen lesenswerten Publikationen zum Thema, dem wahren und echten im italienischen Wein missionarisch verpflichtet, umklammerte einen Merlotrebstock, welcher dem Gajagrappoli-Chianti dunkle Farbe und atypische Fruchtaromen vermitteln sollte, und machte einen etwas verstopften Eindruck. Kein Wunder, sein weit geöffneter Mund war bis zum Rand mit Sägemehl gefüllt. „Kein schöner Tod, so zu ersticken, entrüstete sich Pippo. „Aber die Todesart zeigt uns doch einige Hinweise auf ein mögliches Motiv, wenigstens das!“
„Genau, meine Beamten befragen bereits die Frau des Conte“, meldete sich der Vice-Questore zum Wort, „wenn das mal kein klassischer Eifersuchtsfall ist!
“Lele und Pippo machten sich aus dem Staub, noch mehr Brillanz und Scharfsinn des Don Silvio wäre im Moment schwer zu ertragen gewesen. „Wenn der so weitermacht, wird er unweigerlich noch Ministerpräsident unserer Bananenrepublik“, lästerte Pippo. „Gehen wir zu Carlo und betreiben etwas Hintergrundforschung“, holte Lele ihn wieder in die Realität zurück. |
| Kapitel 4: Way back then |
„Die ganze Sache stinkt doch wie eine von den Vereinigten Staaten eingebrachte Uno-Resolution“, lästerte Lele. „Oder wie die Socken, welche du in meinem Alfa „vergessen“ hast“, fügte Pippo, liebenswert wie er nun mal war, hinzu.
„Kannst du dich noch erinnern, als ein Chianti noch nach Chianti schmeckte?“
„Und als ein Brunello noch aus 100% Sangiovese Grosso bestand und erst nach Jahren sein betörendes Bouquet dem Genießer öffnete, weil er traditionell gemacht wurde?“
„Als die Weinmacher noch ehrlich waren und nicht nach Verkäuflichkeit im immer mehr von einigen Weinjournis beeinflussten Markt schielten?“
„When music still was the real thing. Played by real people!”
Sie saßen auf der Terrasse von Carlos Villa del Pino und hatten sich in die gesammelten Weinverkostungsnotizen von Febbraios Wahrum vertieft. Carlo war seit Jahren Abonnent.
„Nicht immer vereinbar mit meiner eigenen Nase, aber doch meistens. Und seinem Anspruch, dem Wahren und Echten im italienischen Wein verpflichtet zu sein, hundertprozentig treu“ fand der Wirt.
„Aber als Journalist bist du natürlich auch einer gewissen Déformation professionelle ausgeliefert, „Und dann wirst du plötzlich zu autochthon“, sekundierte Lele. Aber auch er, Weinliebhaber wie Pippo und Carlo, alle drei eher dem traditionellen Wein verpflichtet, fand, dass die Nase Febbraios seiner eigenen mehr oder weniger immer entsprochen hatte.
„Das ist interessant“, meldete sich Pippo. „ Gajagrappoli ist ein klassischer Biber!“ |
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| Kapitel 5: „Jetzt musst du nämlich wissen...“ |
Jetzt musst du nämlich wissen, dass der Biber eine der Features im Wahrum war. Weine, welche durch übermäßigen Holzeinsatz im Keller die vom modernen Markt gewünschte Holz- sprich Vanille/Leder/Röstaromen/Pferdeschweiß/Kaffee/Schokolade-Note verpasst kriegten, erhielten im Wahrum nebst den regelmäßig niederschmetternden Kommentaren auch immer ein kleines Bibersymbol verpasst. Ein Warnschild für den, welcher im Wein eben Frucht und Typizität, und nicht marmeladige Süße und tintige Farbe suchte. Eine kleine Einkaufshilfe für den, welcher beim Weintrinken nicht darauf aus ist, einen zwar weltweit hochgelobten Wein zu überbezahlen und dann beim trinken keinen Genuss zu verspüren sondern Grimassen zu schneiden weil das saure Gesöff einem regelmäßig die Unterhosen bis zu Halsansatz hochzog. Von innen.
„Der Gajagrappoli ist also ein Biber?“
„Ja, hör mal: tiefschwarze Farbe, in der Nase Aromen von getrockneten Früchten, Kaffee, Bitterschokolade, Gummi, im Gaumen Marmelade, Teer, heftiges, schnell trocknendes Tannin“.
„Da gibt es nicht mehr viel hinzuzufügen! Im aufgeklärten Marktsegment ein klar verkaufshemmendes Urteil! Auf Deutsch heißt das übersetzt etwa: testosterongeladen, tiefergelegt, Kotflügel verbreitert, Auspuff verchromt.“
„Aber hat nicht der junge Gajagrappoli von sehr stabilen Märkten, vornehmlich in der neuen Welt, erzählt? Denen kann doch ein vernichtendes Urteil eines einzelnen Journalisten eigentlich egal sein. Vor allem wenn dieser Journalist einem ganz andern Marktsegment verpflichtet ist.“
„Genau. Und sein Vater, der Conte, scheint ja ein wasserdichtes Alibi zu haben.“
„Das müsste man von einem wie ihm natürlich erwarten, oder? Trotzdem, der Junior scheint mir eher unglücklich mit der Weinphilosophie seines Vaters zu sein, als mit dem objektiven Urteil eines Journalisten, oder?“
„Ja, mir schmeckt das auch nicht so ganz. Zu einfach. Mir geht da etwas anderes nicht aus dem Kopf. Hast du nicht auch auf dem Parkplatz vor dem Gut Gajagrappoli ein Saab-Cabriolet mit einem Zürcher Kennschild gesehen?“ Erntehelfer fahren doch nicht das Cabriolet von Saab. Eher Architekten und Werbefuzzis, oder?“
„Wart mal, wie war das mit dem Werbefritzen? Schau mal nach, was der Febbraio denn über den Chianti von Winter schreibt! Der Bertrand Winter, ehemals Inhaber einer Werbeagentur in Zürich, hat doch seinerzeit das Weingut Brombasticaia gekauft. Alles sehr edel, schon die Etiketten den modernen Markt ansprechend, alles in Schwarz und designt und gestylt. Der Wein wohl auch, oder?“
„Aber natürlich! Der teilt sich ja nicht nur den Oenologen, sondern auch den Kellermeister mit Gajagrappoli! Schauen wir mal!
Hier hast du’s: tintige, tiefschwarze Farbe, in der Nase Aromen von Schwefel und Feuerstein, keine Frucht. Im Gaumen Sensationen von verbranntem Gummi und verkohltem, nassen Holz, keine Frucht. Ein Prachtsbiber!“
„Schreiben konnte er tatsächlich, der Febbraio! Diese Verkostungsnotiz wird wohl als sein Todesurteil in die Annalen von Wahrum eingehen, was meinst du?“
„Und der Winter hat ja nicht die beruhigenden regelmäßigen Abnehmer aus Übersee wie der Conte. Und eine kritische Verkostungsnotiz in einem Magazin welches auch von geistig eher regen Lesern frequentiert wird, stört ihn sicher mehr als er jetzt gerade zugeben würde! Würde mich gar nicht wundern, wenn der Brombasticaia auch bei Febbraios JLF-Tests nicht besonders gut abgeschnitten hat.“
Jetzt musst du nämlich wissen, der Febbraio hat in seiner Redaktion regelmäßig den so genannten JLF-Test gemacht. JLF steht für „je leerer die Flasche“. Die Spielregeln waren einfach: zu einem Essen wurden mehrere verschiedene Flaschen Wein aufgetischt. Jeder Gast am Tisch war frei, sich einzuschenken und sich zu bedienen aus welcher Flasche er auch immer mochte. Nach einer bestimmten Zeit wurde mit dem Maßstab nachgemessen. Die leeren Flaschen hatten gute Weine beinhaltet gehabt, je mehr Wein noch in einer Flasche übrig geblieben war, umso schlechter war er dann. Die Ergebnisse wurden regelmäßig im Wahrum publiziert.
Böse Zungen behaupten, der Febbraio habe ab und zu Biberflaschen während des Essens unter dem Tisch versteckt damit sie nicht „versehentlich“ auch den Weg in die Gläser gefunden haben. Aber wie gesagt, böse Zungen. |
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| „Na ja, teilen wir Don Silvio einmal das Resultat unserer Überlegungen mit, der macht dann schon das für ihn politisch opportune“, meinte Lele zu Pippo. |
| Kapitel 6: Don Silvio hat wieder einmal seinen Mörder |
„Schon gerissene Kerle, meine beiden „freien Mitarbeiter“, musste der Vice-Questore neidlos anerkennen. „Aber trotzdem, verfolgen wir doch noch ein bisschen die Eifersuchtsspur. Die Contessa ist eine außergewöhnlich attraktive Frau, und der Conte war wohl nicht nur doppelt so alt, sondern auch praktisch nie zu Hause. Und was hat denn dieser Weinjournalist regelmäßig auf dem Gut zu suchen, wenn ihm der Wein ja erwiesenermaßen nicht schmeckt?“
Wie man sieht, legt Don Silvio an die Arbeit eines Weinjournalisten dieselben hohen Ansprüche wie an seine eigene!
„Schauen wir einmal, was uns das persönlich bringt, wenn man die Contessa ein bisschen unter Druck setzt. Schließlich hat sie ja soeben einen Lover verloren.“
Pragmatisch war er ja schon immer, unser Vice-Questore.
„Trotzdem, wenn dieser Winter nicht noch zufällig im Rotarys Club sein sollte, oder sonst mit dem Questore bekannt, dann ist er wohl dran! Schließlich kann man ja nicht einem Biberfeind Holz zu fressen geben wie einem Biber, bis er erstickt!“
Dieses Zitat, Titel des Untersuchungsberichts des Detektivbüros Spadoni-Marlotti, hatte Brimbusca Eindruck gemacht. Mal sehen. Wenn es seinen Vorgesetzten ebenfalls Eindruck machte, wurde doch noch etwas mit der lange erhofften Beförderung! |
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| Kapitel 7: Abspann, oder das letzte Wort unserer Protagonisten |
„Das Leben ist manchmal viel einfacher als die virtuelle Welt der Krimischreibstatt“ meint Carlo und schenkt vom gelungenen 99er Pinello nach. „Kannst du dich noch erinnern als Mord noch denjenigen gehörte, welche mit einer Leiche etwas anzufangen wussten? Als noch nicht jeder deutsche Staatanwalt oder Gymnasiallehrer ein alter oder neuer Nazi war, als noch nicht jeder Dorfpfarrer sich mehr oder weniger einfühlsam in seine Ministranten einfühlte am freien Mittwochnachmittag?“
“Du meinst, als noch nicht jeder venezianische Rechtsanwalt und Treuhänder den ortsansässigen Sizilianern beim Steuerbetrug und Kunstdiebstahl half“ warf Pippo ein.
„Als Guido Brunetti noch nicht zur larmoyanten Nutte einer amerikanischen Feministin verkommen war“ lästerte Lele.
„Ganz genau, Verbrechen passieren nun mal, Morde sowieso. Lasst sie uns denjenigen zurückgeben, die dafür auch eine ehrliche Verwendung haben. Und das ist uns doch in dieser Geschichte ganz gut gelungen, oder?“
„Carlo, dein Lektor hat gerade angerufen, der Verleger meint, anstelle des Dorfpfarrers könne es auch ein Biologielehrer am Gymnasium sein, welcher frühreifen Schülerinnen am Mittwochnachmittag Biologienachhilfestunden gibt, so was ziehe im Augenblick.“
„Und der ermittelnde Beamte hat idealerweise aus den bleiernen frühen Siebzigerjahren keine ganz reine Weste, nicht wahr? Könnt ihr zwei mit irgendwelchen Brigade Rosse Connections oder noch besser -Erfahrungen dienen?“
„Lassen wir das besser, sonst bauen wir in unsern nächsten Fall möglicherweise noch eine Verschwörungstheorie ein, welche den Dubyatexaner als direkten Abkömmling eines Kreuzfahrergeschlechts porträtiert. Als solcher ist er dann natürlich gezwungen, wegen eines aus Familienbesitz entwendeten Fetisches den Iran anzugreifen.“
„Oder das Fürstentum Lichtenstein“.
„Sag mal ist noch etwas Wein in der Flasche?“ |
| Ende (endlich!) |
Epilog
Am selben Tag, als ich diese Geschichte fertig geschrieben hatte, fand ich das neue Merum im Briefkasten. Zum regelmäßigen JLF-Artikel war ein Foto publiziert, zu welchem ich natürlich schmunzeln musste. Ich habe es am Ende von Kapitel 5 dieser Geschichte eingefügt.
Im Übrigen möchte ich Andreas Merz für seine Arbeit danken. Seine witzig und kompetent geschriebenen Artikel und Degustationsnotizen sind für mich nicht nur Wegweiser, sondern auch regelmäßig Erbauung und Unterhaltung.
Und wie eingangs erwähnt, mit dieser Geschichte hat er gar nichts zu tun. Hier ist alles erfunden. Er würde ja seine Eva nie und nimmer! Und schon gar nicht mit der Frau des Conte G.!
Was mich vielmehr zum Schreiben dieser Geschichte bewegt hatte, war die Tatsache, dass innert 2 Jahren dreimal ein Artikel in den Wein- und Foodgazetten zirkulierte, welcher vom nicht ganz planmäßigen Ableben eines Gastrokritikers oder aber vom Selbstmord eines Wirtes berichtete, welcher mit den Bewertungen in den „Gomijjoos und Mitschelänngs“ nicht mehr fertig wurde.
Und jetzt ist aber wirklich Schluss!
Das nächste Mal entführen uns Pippo und Lele in die Welt der Hochfinanz. Ich kann’s auch fast nicht mehr erwarten! |
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Villa del Pino da Carlo del Pino
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